Zur Überschrift: Slartibartfass ist der Weltendesigner aus Douglas Adams "The Hitchhikers Guide through the Galaxy", der bei der zweiten Version der Erde Afrika mit Fjorden versieht.
Vor ein paar Wochen schickte ich folgende Frage auf die Reise (an verschiedene Personen):
Gibt es schon sowas wie "Stadtplanung in/für virtuelle Welten"?
Also nicht die Präsentation von Echtwelt-Sachen in Second Life sondern Forschungen/Erkenntnisse, die in virtuellen Welten gelten könnten?
Ich komme darauf, weil ich unter anderem mit einem Bekannten aus dem Marketing-Bereich gesprochen habe, die in SL aktiv sind und ich das Gefühl habe, dass es verschiedene Disziplinen gibt, die hier etwas zusammen arbeiten sollten/könnten.
Ich selbst interessiere mich für das Thema vor allem aus der Sicht "virtuelle Welt als GUI", also weniger aus einer Spiel-Perspektive, denn ich bin der Meinung, dass genau dort das größte Potential für virtuelle Welten steckt, weil damit manche GUI-Probleme der heutigen Software lösbar wären und der Nutzerkreis wesentlich größer als im Spielebereich ist.
Bei den verschiedenen Disziplinen hatte ich einige Leute und vor allem ihre Berufe im Kopf:
- Marketing
- Architektur
- Stadtplanung
- Webdesign
- Design grafischer Benutzeroberflächen
- Kommunikation
- Betriebswirtschaftler
Die Frage brachte mich unter anderem zu einem Stadtplaner, dem ich dann das hier schrieb:
Nehmen wir mal an, jemand setzt eine neue virtuelle Welt auf und entscheidet sich dafür, diese möglichst reell zur richtigen Welt abzubilden was die Physik betrifft, weil er als Zielgruppe eher ältere Leute sieht und er vermutet, dass diese sich eher in einer solchen Umgebung zurecht finden.
Hier kann ihm doch dann die Stadtplanung helfen, seine Welt/Stadt auch so zu designen, dass die Anwender sich darin auch leichter zurecht finden als dies z.B. in so einem Chaos wie es in Second Life der Fall ist. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass ein Stadtplaner hier auch viel zum "Wohlfühlfaktor" beitragen könnte, weil er Sachen berücksichtigt, an die ein ITler/Webdesigner noch nicht mal denkt.
Baut jemand aber für die Zielgruppe Spieler und/oder Science Fiction Fans, die es gewohnt sind außerhalb des physikalisch normalen zu denken wird derjenige komplett andere Voraussetzungen haben, was das Design seiner Welt betrifft.
Aber auch hier greifen bestimmt Erkenntnisse aus der Stadtplanung - ich denke hier z.B. an allgemeine Gestaltungsfragen (Plätze, Straßen, ...), die dann evtl. um eine zusätzliche Dimension erweitert werden müssten - was evtl. ein neues Forschungsfeld darstellt.
Ein Beispiel dazu: in Second Life kann man ja sein Ziel gehend, teleportierend oder fliegend erreichen. Das Gehen ist in SL aber extrem mühsam, da kein geplantes Verkehrswegenetz existiert (= Designfehler, den ein Stadtplaner hätte verhindern können). Teleportieren zerstört jedes Raumgefühl und macht orientierungslos. Das Fliegen ist meiner Meinung nach hochinteressant, denn hier behält man die Orientierung, hat einen Überblick über die Stadt und kann sich wesentlich schneller zum Ziel bewegen - allerdings steckt hier auch eine der kommenden Herausforderungen - denn eine Stadt so zu designen, dass sie 3-dimensional "bedienbar" wird ist Neuland und hier sehe ich gerade für Sie eine große Chance.
Und das führte zu einem Hinweis auf eine Diplomarbeit von Thomas Scheiblauer zum Thema "
Anwendung von Game Engines für kollaborative virtuelle Umgebungen in der Architektur".
Diese Diplomarbeit ist in vielerlei Hinsicht interessant, da hier viele Themen angeschnitten werden, die den Fokus noch um einiges erweitern. Ein Architekt erschafft in seinem Entwurfsraum ja u. U. Versionen von möglichen Realitäten (und damit sind wir gleich wieder beim Thema Dimensionen ). Außerdem greifen beim kollaborativen Arbeiten und Erleben noch weitere Faktoren, die hier beschrieben sind.
Durch die Beschäftigung mit dem Thema wurde mir klar, dass eine ganz andere Frage viel interessanter ist:
Wer entwirft zukünftige virtuelle Welten? Denn der "Weltendesigner" hat alles in der Hand, worauf der virtuelle Stadtplaner nur noch aufbauen kann. Er kann z.B. auch physikalische Grenzen aufgeben und entsprechende Parameter verdrehen.
Und klar ist auch, dass es virtuelle Welten (und damit entsprechende Designer) schon lange gibt: Bücher, Filme, Brett- und Computerspiele,...
Und nebenbei schliesst sich der Kreis zu dem was IBM in Second Life offiziell treibt, denn ich hege ganz stark die Vermutung, dass die IBM darauf hinarbeitet eine technische Arbeitsplattform für Weltendesigner und Weltenbetreiber zu bauen.
Und damit werde ich ein Auge darauf haben, welche neuen Welten in nächster Zeit starten werden - denn dann lohnt es sich nachzuschauen, ob sich jemand richtig Gedanken zu dem Thema gemacht hat und was "Rundes/Universell Einsetzbares" anbietet - denn der Anbieter, der das schafft krempelt den gerade entstehenden Markt wahrscheinlich gewaltig um.